Goaßlschnalzer

Kurzvorstellung

Die Weilheimer Goaßlschnalzer haben sich 2003 aus Mitgliedern des Heimat- und

Trachtenvereins Weilheim e.V. zusammengefunden. Mit dem Schnalzen im Takt zur

Musik bereichern sie seitdem viele Brauchtumsveranstaltungen und erinnern damit

an die alte Fuhrmannstradition im Weilheim. Auch hier ist die Jugend inzwischen

stark vertreten.

Goaßlschnalzen mit der Fuhrmannsgoaßl:

 

- Ursprünge

Das Goaßlschnalzen hat seinen Ursprung im Fuhrmannswesen, als Warnsignal

vor einer unübersichtlichen Stelle und/oder Erkennungszeichen der Fuhrleute.

 

- Entwicklung

Die Schlagfolgen wurden, je nach Können und Geschick der Fuhrleute, im Laufe

der Zeit immer mehr verfeinert. Vor über 40 Jahren entwickelte sich daraus das

Schnalzen zur Musik, wie wir es heute kennen. Bei einem Wettbewerb für

Einzelgoaßlschnalzer auf dem Zentral-Landwirtschaftsfest in München 1963

traten zusätzlich 6 Bauern aus Prien als Gruppe mit Musikbegleitung auf.

 

- Material

o Goaßlstecken früher aus Holz, heute aus Glasfiber

o Strick/Schnur aus Hanf geflochten, ca. 1,10 m lang

o Schmitz`n aus Perlonschnur

 

- Technik

Der Knall entsteht, wenn die Spitze (Schmitz`n) durch Gegenzug bis auf

Schallgeschwindigkeit beschleunigt wird. Dabei entsteht ein Überschallknall. Dies

ist auch der Grund, warum das Goaßlschnalzen als „die schnellste von Hand

ausgeführte Bewegung“ gilt.

 

- Schnalzergruppen und Veranstaltungen

Es gibt in Bayern inzwischen ca. 100 Goaßlschnalzergruppen, die mit ihren

Vorführungen viele Brauchtumsveranstaltungen bereichern.

Die bekannteste Veranstaltung ist das Miesbacher Goaßlschnalzen, das von

1972 - 2003 (davon von 1989 - 2003 als Bayerische Meisterschaft) ausgetragen

wurde. Seit 2005 wird die Bayerische Meisterschaft im Gruppengoaßlschnalzen

abwechselnd in den 3 Viehversteigerungshallen von Traunstein, Weilheim und

Miesbach ausgetragen.

 

Die nächste Bayerische Meisterschaft im Gruppengoaßlschnalzen findet am

Sonntag, 24. Juni 2018  in Weilheim statt.

 

 

 

Xaver Kastl jun.

Archivar

 

goassler@hut-weilheim.de

Fuhrmannswesen Geschichte

Fuhrleute waren immer dort anzutreffen, wo Waren transportiert oder gehandelt wurden. Dies war in Weilheim schon seit langer Zeit der Fall.

 Bereits im 2. Jahrhundert führte die Römerstraße über den Brenner nach Augsburg durch Weilheimer Gebiet. Weilheim war schon früh ein Stapelplatz für Reichenhaller Salz. Es wurde bereits 1147 als „Markt“ und 1238 als „Stadt“ erwähnt.

Die Weilheimer Fuhrleute waren vor allem in der Oberen Stadt beheimatet. Insbesondere der 1712 geborene Johann Caspar Lindner war ein besonders unternehmerischer Mann, der mit großer Tatkraft und Weitblick sein Geschäft zu hoher Blüte brachte. Lindner war Bauer und gleichzeitig einer der Fuhrleute, die Botenfahrten nach Tölz, Mittenwald, Schongau und München ausführten. Er führte von 1758 bis 1775 ein Tagebuch, das heute noch erhalten ist.

1759 erhält Caspar Lindner den Auftrag, Salz von Weilheim nach Ravensburg zu fahren. Die Fahrt dauert vier Tage.

Nach Missernten fuhren die Weilheimer Fuhrleute 1771 mit zehn vierspännigen Wagen bis nach Triest um dort Getreide zu kaufen. „Da das Unternehmen glückte, fuhr man bis zur normalen Ernte 1772 noch achtmal ins Welschland“, schrieb Lindner in seinem Tagebuch.

Noch heute erinnert ein Gemälde am Giebel des Lindner-Anwesens in der Oberen Stadt an Caspar Lindner und die Weilheimer Fuhrmannstradition.

Auch in der Neuzeit bestimmten Fuhrwerke das Stadtbild, wie z.B.

  • Bierauslieferung der Brauerei Bräuwastl bis etwa 1970.
  • Baumfuhrwerke für die Weilheimer Sägewerke.
  • Sebastian Panholzer, der letzte Weilheimer Berufsfuhrmann, der mit seinen Rössern noch Baumstämme transportierte, war Vereinsmitglied im Heimat- und Trachtenverein Weilheim.

Durch die regelmäßig stattfindenden Zuchtviehmärkte gilt Weilheim auch heute noch als bäuerliche Metropole.

Nachdem fast alle Weilheimer Goaßlschnalzer Vorfahren im Bereich der Landwirtschaft bzw. des Fuhrmannswesens haben, ist auch hier eine Verbundenheit zur Sache gegeben.

 

Weilheim, 13. April.2012

Heimat- und Trachtenverein Weilheim e.V.

 

Xaver Kastl jun.
Archivar